Ameisen an Blattläusen: Wer frisst hier wen, und was die Pflanze braucht

Die Ameisen, die an Ihrem Trieb hochlaufen, jagen die Blattläuse in der Regel nicht, sie bewachen sie, und das ändert Ihr nächstes Vorgehen.

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beschriebene Blattlausarten weltweit
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davon an Kultur- und Zierpflanzen von Bedeutung
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Larvenstadien bis zur erwachsenen Blattlaus
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Spuren auf einem Foto: Ameisenstrasse, Honigtau, Rußtau

Das Problem, vor dem Sie gerade stehen

Eine Ameisenstrasse läuft an einem Rosentrieb, einer Bohne oder einem Zitronenbäumchen nach oben, und an der Spitze sitzt ein grüner oder grauer Pelz aus weichen Tieren. Die Blätter kleben. Darunter breitet sich etwas Schwarzes aus. Die naheliegende Erklärung lautet: Die Ameisen räumen die Blattläuse weg. Also warten Sie, und eine Woche später sind die Triebspitzen verkrüppelt und die Kolonie ist grösser.

Dieser Irrtum kostet in zwei Richtungen. Wer die Ameisen für Helfer hält, tut nichts und verliert den Neuaustrieb. Wer die Ameisen für den Schädling hält, kauft ein Ameisenmittel, die Ameisen verschwinden eine Weile, und die Blattläuse saugen unbeeindruckt weiter, weil sie nie gemeint waren.

Unter beiden Fehlern liegt die gleiche offene Frage: Sind das überhaupt Blattläuse, oder Schildläuse, Wollläuse oder Weisse Fliegen? Die bilden ebenfalls Honigtau und ziehen ebenfalls Ameisen an. Die Antwort entscheidet über alles, was danach kommt, und ein Blick aus zwei Metern Entfernung ist dafür eine schlechte Grundlage.

Was zwischen Ameise und Blattlaus wirklich läuft

Blattläuse saugen Siebröhrensaft und geben den Zuckerüberschuss als Honigtau ab. Viele Ameisenarten nehmen diesen Honigtau direkt an der Laus ab und betrommeln sie dafür mit den Fühlern. Im Gegenzug vertreiben oder töten die Ameisen Marienkäferlarven, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen, und sie tragen Läuse auf frische Triebe. In der Biologie heisst diese Beziehung Myrmekophilie, in der Praxis funktioniert sie wie Viehhaltung.

Die ehrliche Antwort auf die Suchfrage lautet deshalb: In der Regel fressen Ameisen die Blattläuse nicht, die sie betreuen. Einzelne Arten holen sich schon mal eine Laus, besonders wenn die Kolonie schneller wächst als ihr Zuckerbedarf, aber das ist Herdenpflege und keine Schädlingsbekämpfung. Darauf, dass die Ameisen den Befall senken, sollte niemand bauen.

Nützlich ist diese Beobachtung trotzdem, nämlich als Hinweis. Eine dauerhafte Ameisenstrasse am Stiel ist eines der verlässlichsten sichtbaren Zeichen dafür, dass weiter oben eine saugende Kolonie sitzt, oft auf einer Blattunterseite oder in einer eingerollten Triebspitze, die Sie noch nicht aufgeklappt haben.

Was der Pflanze jetzt hilft

Beginnen Sie bei der Kolonie, nicht bei den Ameisen. Kontrollieren Sie Blattunterseiten, Triebspitzen und Blütenknospen, auch an Blättern, die von oben unauffällig wirken. Schwach besetzte Triebe lassen sich abstreifen oder herausschneiden und mit dem Pflanzenmaterial entfernen. Ein kräftiger Wasserstrahl löst an robusten Freilandpflanzen viele Läuse, weicher Jungtrieb wird besser mit der Hand bearbeitet.

Schützen Sie die Gegenspieler, die die Ameisen gerade vertreiben, denn die arbeiten ohne Gegenleistung. Blühende Randstreifen und der Verzicht auf blinde Flächenbehandlung halten Marienkäfer, Florfliegen und Schlupfwespen im Spiel. Klebbarrieren am Stamm erschweren den Ameisen den Weg nach oben und schneiden den Läusen damit den Begleitschutz ab, eine bestehende Kolonie beseitigen sie aber nicht.

Wenn ein Pflanzenschutzmittel nötig erscheint, gilt: nur im eigenen Land zugelassene Mittel und nur die zugelassene Anwendung und Dosierung. Zulassungen sind national verschieden, ein in Italien zugelassenes Mittel darf deshalb nicht für Deutschland empfohlen werden, und bei allem, was geerntet wird, gehören Wartezeit und Rückstandsfragen in die Entscheidung. Klären Sie das mit der zuständigen nationalen Pflanzenschutzbehörde oder mit Ihrem Agronomen, oder fragen Sie uns direkt. Mittelnamen nennen wir auf dieser Seite nicht.

Was Dr. Phyto auf Ihrem Foto liest

Sie laden ein Bild hoch, beantworten ein paar Rückfragen zu Pflanze, Standort und Dauer der Beobachtung und erhalten eine benannte Diagnose mit Konfidenzniveau sowie einen datierten Behandlungsplan Schritt für Schritt. Das Konfidenzniveau wird immer mitgesagt. Kein Ergebnis wird als gesetzt behauptet, und wenn eine Pflanze nicht mehr zu retten ist, sagt Dr. Phyto das, statt Ihnen eine weitere Behandlungsrunde zu verkaufen.

In diesem Fall trennen die Rückfragen meist Blattläuse von Schildläusen, Wollläusen und Weissen Fliegen, klären, ob der klebrige Film und der dunkle Belag Honigtau mit Rußtau sind, und schätzen ein, wie viel Austrieb schon geschädigt ist. Grundlage ist eine geprüfte europäische Wissensbasis, nicht das Raten eines allgemeinen Chatbots.

Berufsanbauer in Weinbau, Obstbau, Gewächshaus und Marktgärtnerei nutzen denselben Weg für eine schnelle Zweitmeinung, Agronomen und Berater für die Differenzialdiagnose vor dem Betriebsbesuch. Behörden und Gemeinden können mit Bürgerfotos früh erkennen. Berührt ein Fund einen meldepflichtigen Organismus nach Verordnung (EU) 2019/2072, ist die zuständige nationale Behörde zu informieren. Befallenes Material darf nicht einfach selbst entsorgt, verbracht oder verkauft werden.

Fressen Ameisen Blattläuse?

In der Regel nicht. Sie nehmen den Honigtau an der Laus ab und verteidigen sie gegen Gegenspieler. Einzelne Ameisenarten holen sich zwar eine Laus, aber als Bekämpfung taugt das nicht.

Soll ich die Ameisen oder die Blattläuse bekämpfen?

Die Blattläuse. Die Ameisen sind Symptom und hilfreicher Hinweis. Eine Barriere am Stamm nimmt den Läusen den Begleitschutz, die Kolonie selbst müssen Sie trotzdem angehen.

Die Blätter kleben und es bilden sich schwarze Flecken. Was ist das?

Der klebrige Film ist meist Honigtau, darauf siedeln dunkle Pilze als Rußtau. Er sitzt auf der Oberfläche statt im Gewebe, nimmt aber Licht und zeigt eine saugende Kolonie weiter oben an.

Kann ich einfach ein Spritzmittel aus dem Schrank nehmen?

Nur im jeweiligen Land zugelassene Mittel und nur in der zugelassenen Anwendung und Dosierung. Bei Erntekulturen gehören Wartezeit und Rückstände dazu. Klären Sie das mit der zuständigen Behörde oder einem Agronomen, oder fragen Sie uns.

Erholt sich meine Pflanze wieder?

Das lässt sich nicht zusichern. Viele Pflanzen treiben nach früher Reduktion sauber nach, manche Triebe bleiben verkrüppelt, und manchmal ist eine Pflanze schon verloren. Dr. Phyto spricht das aus, statt ein Ergebnis zu versprechen.